Äpfel, Birnen und Pflaumen bei Hildegard von Bingen

By BdFH on 10. September 2014 in Allgemein
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Aus dem Buch „Was ist Hildegard-Medizin?“ von Helmut Posch

Äpfel

»Die Frucht dieses Baumes ist zart und leicht verdaulich und schadet roh keinem Gesunden. Denn die Äpfel wachsen und erquicken sich am Tau der Nacht vom ersten Schlaf bis fast vor Tagesanbruch. Deshalb sind sie roh Gesunden gut zu essen, weil sie aus starkem Tau gekocht sind.
Kränklichen aber schaden rohe Äpfel etwas, weil diese eben schwächlich sind. Gekocht und gebraten sind sie gut für Starke und Sieche. Wenn die Äpfel alt und runzelig geworden sind, also im Winter, können Gesunde und Kranke sie gut roh essen«. (H. v. B.)

Täglich einen Apfel erspart den Arzt, sagt ein altes Sprichwort. Benedikt, der Ordensvater, ordnete an, daß jeder seiner Mönche täglich einen Apfel auf den Tisch bekam. Wir sollten den Äpfeln in unserem Speiseplan einen viel größeren Raum geben. Wann haben wir das letzte Mal Äpfel gebraten? Etwa zu Weihnachten, weil der herrliche Duft die moderne Wohnung in eine nostalgische Almhüttenatmosphäre verwandelt? Wie oft gibt es Apfelkompott, Apfelmus oder hausgemachten Apfelstrudel als Nachtisch? Wer erinnert sich noch an die süßen Apfelspalten? Der Europäer hat sich diese Verdauungsmedizin durch Kaugummi, Kartoffelchips, gesalzene Erdnüsse und anderes Nasch- und Knabbergebäck verdrängen lassen. Allein der Apfelsaft kann seinen Platz noch behaupten.

Birnen

»Der Birnbaum ist mehr kalt als warm und so schwer und fest im Verhältnis zum Apfelbaum wie die Leber im Verhältnis zur Lunge. Denn wie die Leber ist er kräftiger und nützlicher, stiftet aber auch mehr Schaden als der Apfel- baum. Wurzel, Blätter und sein Saft taugen seiner Grobheit wegen nicht zu Heilmitteln, wohl etwas seine Misteln, die gelegentlich auf ihm wachsen. Die Birnenfrucht ist schwer, gewichtig und rauh. Wird sie roh übermäßig gegessen, macht sie Kopfweh und Dämpfigkeit in der Brust, da sich vom Birnsaft etwas in der Brust niederschlägt und angezogen wird, wobei sich der Saft auch in der Leber und Lunge gleich Bleisinter wie Weinstein verhärtet. Deshalb entstehen in der Leber und in der Lunge oft große Leiden. Wie ein Mensch manchmal schon vom Geruch des Weines satter wird, so mischt sich auch der Birnsaft unter den Atem, der davon rauh wird. Darum atmet auch einer schwer, nachdem er rohe Birnen aß, woraus manchmal viele Schwächen in seiner Brust entspringen. Wenn nämlich gegen Tagesanbruch die Kräfte des Taues sinken, weckt der Tau erst die Birnen. Sie machen des- halb im Menschen Unsäfte, die nicht (vom Tau) gekocht werden, weil sie ja aus dem bereits sich auflösendem Tau wachsen. Wer also Birnen essen will, koche sie in Wasser oder brate sie am Feuer. Doch sind sie gekocht besser als gebraten, weil das Wasser den in ihnen enthaltenen Saft allmählich auszieht, das Feuer aber heftig wirkt und beim Braten nicht allen Saft entzieht. Gekochte Birnen beschweren auch etwas den Esser, weil sie die Fäulnis in ihm aufsuchen und mindern und brechen und mit sich (ab)führen«. (H. v. B.)

Siehe, es darf gekocht werden! Da gehen doch alle Vitamine verloren, werden Sie denken. Keine Angst vor dem Kochen, Braten, Dünsten und Trocknen. Da wären unsere Alten nicht so alt geworden, wenn das alles wert- los gewesen wäre. Wie wir soeben bei Hildegard gehört haben, belasten roh verzehrte Birnen die Brust und führen zu Kopfweh. Die gekochten Birnen reinigen eine faule Darmflora und führen alles Unrechte ab. Wer sich mit Hildegard anfreunden will, muß freilich umdenken. Bei häufigem Genuß roher Birnen verhärtet sich der Saft der Birnen gleich Bleisinter in der Leber und Lunge. Haben Sie das schon mal gehört? Und dadurch entstehen oft große Leiden. Welcher Arzt hat seine Leber- und Lungenpatienten bisher vor dem Genuß roher Birnen gewarnt? Wohl kaum einer. Keinem Kranken wurde noch gesagt, daß für ihn gebratene und alte, verrunzelte Äpfel gesünder sind, als knackfrische. Der Apfel wächst durch den Tau der Nacht. Die Birne wächst erst bei Tagesanbruch, wenn sich der Tau bereits auflöst und bereitet deshalb den Menschen Unsäfte. Der Tau kann die Birne erst gegen Tagesanbruch »wecken«, aber nicht mehr »kochen«, weil die auf- gehende Sonne den Tau bereits verzehrt. Wer kann da mitreden? Wer weiß heute, wann was und warum wächst? Sind dies nicht alles völlig neue Einblicke? Müssen uns andererseits solche Angaben bei all dem, womit heute die Früchte gespritzt werden, nicht bedenklich stimmen, wenn allein der Tau so viel auf sich hat?

Pflaume

»Die Frucht dieses Baumes zu essen, ist Gesunden wie Kranken schädlich und gefährlich, weil sie Gallsucht im Menschen erregt und die bitteren Säfte vermehrt, allfällige Verseuchung aufwühlt, und sie ist deshalb so schlecht zu essen wie ein Unkraut. Wer darum Pflaumen essen will, esse mit Maß. Der Gesunde kann nämlich mit dem Verspeisten fertig werden, der Sieche aber leidet«. (H.v.B.)

Dieses »Urteil« gilt für alle Artverwandten. Es heißt weiters: »Alle Pflaumenarten, ob Roßpflaume, Gartenschlehe, Kriecherin oder die wilden haben diese unguten Kräfte in Rinde oder Blättern und ein gleiches Wesen in der Frucht. Nur mit dem Unterschied, daß derartige Bäume mit größeren Früchten auch größere (schädlichere) Kräfte enthalten«. (H. v. B.) Wieder ein »Obst«, an dem uns Hildegard den Appetit verdirbt? Zugegeben, es fällt einem schwer, Hildegard in allem Glauben zu schenken. Würden wir von Hildegard nur jenen Teil annehmen, den wir heute verstehen, so hindern wir uns selbst daran, Fortschritte zu machen. Hildegard war nicht auf das Wissen ihrer Zeit angewiesen. Sie schrieb auch nichts aus Erfahrung, wie wir schon hörten, sondern schöpfte aus dem Wissen des Allwissenden. Das müssen wir endlich zur Kenntnis nehmen. Müßten wir nicht froh und dankbar sein, einmal den wahren Sachverhalt der Naturdinge zu erfahren? Obwohl wir uns für so gescheit halten, kämen wir ohne Unterweisung durch Hildegard nie auf diese entscheidenden Erkenntnisse. Mit Naturhuldigungen allein ist uns bei aller Liebe zu der Natur auch nicht gedient. Wem nützt es, wenn in einem 08/15-Kräuterbuch geschrieben steht: »Zwetschken sind eine sehr wertvolle Diätspeise bei Nierenerkrankungen, bei Gicht, Rheumatismus, Leberleiden, und bringen, ob nun roh oder gekocht genossen, die erwünschte Abwechslung in die sonst monotone Kost dieser Patienten …«

Sicherlich recht gut gemeint, leider völlig daneben. Weder für den Gesunden und noch weniger für den Kranken sind Zwetschken gut. Das sagt uns bisher einzig und allein Hildegard. Wer kann uns heute sagen, welche Frucht für den Menschen gesund oder ungesund ist? Die Eintopflehre »Obst und Gemüse« oder die Vitaminhysterie sind leider nur halbe Wahrheiten. Es ist also nichts mit den verdauungsfördernden Pflaumen, die landauf landab zu diesem Zweck über Nacht in Wasser eingeweicht und dann gegessen werden. Die abführende Wirkung kann man mit dem Genuß unreifer Früchte vergleichen. Auch davon bekommt man Durchfall. Das sagt aber noch lange nicht, daß dies auch gesund sei. Vielleicht ist es Ihnen ein Trost, wenn ich Ihnen zum Thema Pflaume abschließend noch sage, wozu der Pflaumenbaum doch nützt. Er hilft gegen Haarausfall und Schuppen. Ein Haarwuchsmittel: »Mach Asche aus Rinde und Blätter dieses Baumes und von dieser Asche eine Lauge und wem das Haupt schuppt oder welkt, der wasche es oft mit dieser Lauge, und es wird heil und schön und treibt viele prächtige Haare«. (H. v. B.) Das glauben Sie nun auch wieder nicht, oder? Was gäben die Shampooerzeuger doch dafür, ein wirksames Haarwuchsmittel zu finden. Ich kann Ihnen nur versichern, daß bereits einige Hildegard-Freunde mit dieser Lauge Überraschungen er- lebten. Dem einen sind zum Staunen seines Friseurs kleine Haare nachgewachsen, ein anderer wurde endlich die Schuppen los. Nur ist es ein wenig mühsam, zu dieser Asche zu gelangen. Man muß Äste entrinden und Blätter sammeln und nach dem Trocknen verbrennen. Diese 16   Asche rührt man in warmes Wasser und wäscht sich häufig damit den Kopf. Herr H. St. aus Niederdorf schreibt mir: »Auch von der Zwetschken-Blätter-Rindenasche kann ich berichten. Ich hatte viele Schuppen mit lästigem Jucken. Konnte mit dieser Lauge einen durch- schlagenden Erfolg erzielen, zum Spott so mancher Schampoos. Meine Schwester berichtete mir: Diese Lauge ersetzt auch den Haarfestiger. Die Haare fliegen nicht nach der Wäsche und das Kopftuch rutscht nicht«. Was  glauben  Sie,  sind   Pfirsiche gesund? Wenn  ja, warum wohl? Der Pfirsichbaum

»Dieses Baumes Frucht taugt weder Gesunden noch Siechen zum Essen, weil sie die guten Säfte zersetzt und seinem Magen Schleim erregt«. (H. v. B.)

Wieder fällt ein Stück »vitaminreiches Obst« ins Wasser. Erkennen wir langsam, daß wir nicht jede Frucht über ein und denselben Leisten biegen dürfen. In einem Satz sagt Hildegard Dinge, die uns mit einem Schlag verstummen lassen. Entweder wir glauben ihr und sehen, wie weit wir von der Wahrheit entfernt sind, oder wir glauben ihr nicht und machen weiter, wie bis- her. Andererseits wissen wir aber doch nicht, woher die vielen Krankheiten kommen. Wir wissen nur, irgendwo steckt der Wurm drinnen, aber wo? Erfahren wir es durch Hildegard, schütteln manche schon wieder den Kopf: Daran, nein daran kann es auch nicht liegen. Hochmütige haben es bei Hildegard wirklich schwer. Wenn Pfirsiche die guten Säfte zersetzen, den Stoff- wechsel stören, die Zellreinigung hemmen und dazu noch Schleim im Magen erzeugen, ist das ein Beweis, daß das ‘Vitamindenken’ alleine nicht ausreicht, um die wahren Werte einer Frucht zu erkennen. In diesen knappen Worten steckt mehr Wissenschaft, als wir auf den ersten Blick annehmen. Hildegard zeigt uns Zusammenhänge, entscheidende Faktoren, von denen wir heute samt und sonders noch keine Ahnung haben.

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