Tanne

Hildegard von Bingen schreibt:
„Die Tanne ist mehr warm als kalt und hat viele Kräfte in sich. Und sie bezeichnet die Tapferkeit.
Denn an welchem Ort auch immer Tannenholz ist, hassen und meiden es die Luftgeister mehr als andere Orte und Zauber und Magie haben dort weniger Kraft und herrschen weniger vor als an anderen Orten.
Nimm aber von der Rinde und den Blättern dieses Baumes und schneide auch von seinem Holz einige ganz kleine Stücke, wenn der Baum grünt, so dass er seinen Saft noch nicht verloren hat, wie es im März und auch im Mai der Fall ist, und gib von diesen das halbe Gewicht Salbei hinzu und dann koche das gleichzeitig stark in Wasser, bis es dick wird. Gib auch Butter dazu, welche im Mai von Kühen bereitet wird, dann siebe es durch ein Tuch und mache so eine Salbe. Und wenn jemand Kopfschmerzen hat, an Gicht leidet oder hirnwütig oder geisteskrank ist und dessen Stärke im Herzen versagt, dann salbe mit dieser Salbe zuerst sein Herz und sogleich, nach dem Abschneiden seiner Haare, salbe seinen Kopf mit dieser Salbe und mache das nochmals am zweiten oder am dritten Tag, und sein Kopf wird die Gesundheit wiedererlangen und seine Sinne kehren wieder.
Aber wenn jemand im Magen oder in der Milz Schmerzen leidet, dann salbe mit dieser Salbe wegen der Herzschwäche sein Herz, dann (salbe ihn) über dem Magen, wenn er Magenschmerzen hat, oder über der Milz, wenn er dort leidet, und (die Salbe) wird durch ihre Kraft die ganze Haut durchdringen, so dass er rasch geheilt werden wird.
Und wer auf der Brust dämpfig ist und hustet und auch Schmerzen in der Lunge hat, so dass sie ihm aufgeblasen wird und so dass sie bereits zu faulen beginnt, der soll Tannenholz, wenn es frisch ist und wenn sein Saft noch in ihm ist, zu Asche verbrennen, doch so, dass keinerlei andere Asche beigemengt wird. Und dieser Asche (soll er) zweimal so viel Bibernell und so viel Fenchel wie Bibernell und halb so viel Süßholz wie Bibernell (beifügen). Und koche das gleichzeitig in gutem Wein, mit Beigabe von etwas Honig. Und so soll er durch ein Säckchen seihen und einen Klartrank herstellen und so soll er es oft trinken und er wird die Brust reinigen und die Lunge wieder zur Genesung bringen und so wird jener geheilt werden.
Aber wenn Krebse den Menschen zerfressen, dann soll jener (Mensch) Tannensamen, der an der Spitze wächst, auf einem erhitzten Ziegelstein pulverisieren und er soll das Pulver auf jene Wunde streuen, wo die Krebse den Menschen zerfressen, und die Krebse werden sterben. Aber jenen Ziegelstein, auf dem jener Samen pulverisiert wurde, soll er mit einem ändern erhitzten Stein von neuem stark erwärmen und er soll ihn warm auf die Wunde legen, wo die Krebse nagen, und sie werden sterben.
Und wenn dein Mund und die Lippen aus irgendeiner Schwäche anschwellen und sich aufblähen, dann lege den Samen oder die Frucht der Tanne auf den am Feuer erwärmten Ziegelstein, so dass auch sie davon warm (werden), nicht aber pulverisiert werden, und so warm lege es oft auf deinen Mund und die Schwellung und die Aufblähung werden verschwinden.
Wenn der Fluss reichlich aus der Nase fließt, soll der Rauch von Tannenholz eingezogen werden, und jener Fluss wird leichter gelöst und aufhören. Man mache auch Asche aus Tannenholz und damit soll man eine Lauge bereiten und den Kopf waschen. Und dies heilt den Kopf und macht die Augen klar.
Aber die Tanne hat starke Wärme und ihr Geruch peitscht die Säfte, die im Menschen sind, auf, so dass sie (etwas) wie eine Überschwemmung erzeugen. Und der Mensch nehme den Geruch der Tanne nicht auf, es sei denn dass andere Spezereien und andere duftende Kräuter, welcher Art sie auch seien, beigegeben werden, dass die Säfte, die (im Menschen) sind, nicht übermäßig toben, sondern in Schranken gehalten und gestärkt werden, damit diese nicht zu einer Sturmflut aufgewühlt werden.“
Zusammenfassung:
Luftgeister meiden die Tanne; der Geruch des Baumes peitscht die Körpersäfte auf
Anwendungsgebiete:
Kopfschmerzen, Gicht, für Gehirn & Geist, Magen-, Milzschmerzen, Lungenleiden, Husten, Krebse im Menschen, Lippenschwellung, Nasenausfluss
